Carrier Grade – sind Sie sicher?

Vor kurzem habe ich auf meinem Smartphone ein Betriebssystem-Upgrade von 4.x auf 5.0 gemacht. Eine Stunde lang lag das gute Stück auf der Intensivstation und anschliessend fehlten Emails und ToDo-Items. Wenn man im Voice Network ein Software-Upgrade macht, merkt der Teilnehmer gar nichts davon und es fehlen anschliessend auch keine Daten. Woran liegt das?

„Carrier Grade“ heißt das Geheimnis. Aber was ist das eigenlich? Schauen wir mal bei Wikipedia nach. „Carrier Grade“ heißt auf deutsch Betreiberniveau und bezieht sich auf die Ausfallsicherheit eines Systems. Das System ist hier ein Computer- oder Telekommunikationsnetz. Und was verlangen diese Betreiber, wie die Telekom, Vodafone, etc.? Heutzutage normalerweise eine Verfügbarkeit von 99,999%. Diese Zahl ist auch als „Die 5 Neuner“ bekannt. Sie bedeutet in der Praxis, dass ein Netz oder Teile davon nur maximal etwa 5 Minuten pro Jahr ausfallen dürfen, einschließlich geplanter Wartungsaktivitäten für Hardware und Software. Mittlerweile sind aber auch schon 6 und sogar 7 Neuner im Gespräch. Weil die Technik ja fortschreitet. Dann sind wir also bald bei maximalen Ausfallzeiten von 3 Sekunden pro Jahr.

Bei PCs, Servern, Smart Phone, Tables, etc. liegt die Latte etwas niedriger, ungefähr um zwei Größenordnungen. Macht also etwa sechs Stunden pro Jahr. Das kommt also in etwa hin.

Der Begriff „Carrier Grade“ kommt eigentlich aus der Telekommunikation. Da das Internet nach und nach die heute existierenden Kommunikationsnetze ablöst, wird er vermehrt auch auf das Internet bezogen. „Carrier Grade bedeutet aber nicht nur eine sehr hohe Ausfallsicherheit, sondern es gehören auch noch eine Reihe weiterer Leistungsmerkmale dazu, die wir als Nutzer von Telefondiensten als selbstverständlich voraussetzen.

Quality of Service, zu Deutsch Dienstgüte, ist eine weitere Messlatte. Das bedeutet ganz einfach, dass ich immer telefonieren kann, mit einer gewissen Mindestqualität der Sprache. Ebenso bedeutet es, dass ich mein Gespräch, nachdem ich es einmal angefangen habe, auch bis zu dem von mir gewünschten Ende fortsetzen kann. Und schliesslich sind da noch die Notrufnummern: also Krankenhaus, Feuerwehr, Polizei und so. Da kommt man natürlich immer bei der nächstgelegenen Dienststelle raus, damit auch schnell genug Hilfe kommt. Fällt dieser Dienst aus, kann das unmittelbar Einfluss auf Menschenleben haben und der Netzbetreiber sowie die Hersteller der verursachenden Systeme finden sich am Abend in der Tagesschau wieder.

Wendet man diese beiden Kriterien – extreme Ausfallsicherheit bei gleichzeitig garantierter Dienstgüte – auf das Internet an, dann findet man folgendes. Es gibt erfreulicherweise viele Software-Anwendungen, die Sprache, Video, Chat, etc. attraktiv über das Internet anbieten, und die für Einsteiger nix kosten. Das freut die User. Es gibt aber in den Nutzungsbedingungen wichtige Punkte, die nicht übersehen werden dürfen. Man erklärt sich z.B. einverstanden, dass man keinen Notruf zu Krankenhäusern, Feuerwehr und Polizei absetzen kann. Ebenso, dass man wegen der schwankenden Verfügbarkeit des Internets nicht erwartet, dass man immer telefonieren, und man sein Gespräch bis zum Ende fortsetzen kann. Daher wird dort dringend geraten, sich auf jeden Fall noch einen „normalen“ Telefondienst zu besorgen.

Klar ist, das Internet wird alle bisherigen Netze ersetzen, auch das heutige Telefonnetz. Das bedeutet aber, dass extrem hohe Ausfallsicherheit bei gleichzeitig garantierter Dienstgüte dort gewährleistet werden muss. Es gibt also noch was zu tun. Die Frage ist, was denn alles? Hinter der Eigenschaft „Carrier Grade“ des Telefonnetzes steckt eine erhebliche Ingenieurs-Leistung. Diese gilt es zu verstehen und via Metamorphose in ein zukünftiges Internet zu transformieren.

http://nashtechblog.wordpress.com/2011/10/25/eine-doppelhelix-fur-die-energie-der-zukunft/

Bernd Stahl
Senior Systems Architect
Nash Technologies GmbH

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Veränderung )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Veränderung )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Veränderung )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Veränderung )

Verbinde mit %s




Twitter us

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.

Schließe dich 24 Followern an

Am Besten bewertet

November 2011
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Flickr Photos

Bergen, Norway.

Buizerd / Buzzard / Buse

Windwolves at ISO 2500

Mehr Fotos

RSS Technology Review Blogs

  • Freie Bürger, unfreie Forscher Mai 28, 2015
    Wer mehr gesellschaftlichen Einfluss auf die Forschung fordert, darf nicht gleichzeitig über das Ende der Forschungsfreiheit klagen.
  • Gefährliche Gedanken Mai 27, 2015
    Besuchen Sie London, solange es noch steht. Denn aus Großbritannien gibt es besorgniserregende Nachrichten.
  • Der Fön in der Leitung Mai 26, 2015
    Beim Skypen röhrt es manchmal gar abenteuerlich aus den Lautsprechern. Aber wie viel Lebenszeit sollte man auf die Lösung dieses Problems verwenden?
  • Senioren und Sensoren Mai 22, 2015
    Bedeutet Altwerden in Zukunft, sich auf zunehmende Maschinenhilfe und "dezente Kontrolle" vorzubereiten?
  • Quell ewiger Jugend? Mai 21, 2015
    Der Axolotl gilt als das älteste Labortier in der Wissenschaftsgeschichte. Dabei bleibt der mexikanische Schwanzlurch doch sein Leben lang jung.
  • Von fehlenden Belegen und schwarzen Schwänen Mai 20, 2015
    Ich vermute, dass ein schlichter deutscher Satz für die meisten Missverständnisse zwischen Experten und Laien verantwortlich ist.
  • Geliebter Wachmacher Mai 19, 2015
    Es gibt Leute, die behaupten, dass Kaffee süchtig macht. Müssen wir den Umgang mit dem beliebten Wachmacher überdenken?
  • Kochen hilft rechnen Mai 18, 2015
    Die britische Dozentin Eugenia Cheng benutzt Backrezepte, um ihren Studenten Mathe in gut verdaulichen Häppchen nahezubringen.
  • Themenmolekül: Schon bei den Kleinsten das Größte Mai 15, 2015
    Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Diesmal unter anderem mit Wissenschaftssuchmaschinen, schicken alten Büchern über Atome, Öl und Chemie und dem Space Place.
  • Musikgeschichte als Big Data betrachtet Mai 13, 2015
    Londoner Musik-Informatiker haben 17.000 Songs aus den US-Charts analysiert. Die Musik seit 1960 ist zwar vielfältig, doch richtige Revolutionen gab es nur drei.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: